Zunächst fühlt man die Angst, die jeder schon einmal kennen gelernt hat - eine Angst, die sich mal in der Kehle, mal im Bereich des Herzens und mal im Magen bemerkbar macht. Häufig wird sie von einem Gefühl der Atemnot und einem Engegefühl in der Brust begleitet.
Vielen schlägt dabei das Herz bis zum Hals. Der Kreislauf gerät außer Kontrolle, so dass einem die Hitze ins Gesicht steigt. Manchmal bemerkt man auch ein undefinierbares körperliches Unwohlsein.
Das auffälligste der motorischen Symptome ist sicherlich das Zittern, das sich vornehmlich in den Armen, Händen, Waden und im Bereich der Zunge bemerkbar macht und in einigen Fällen sogar den ganzen Körper ergreifen kann.
Auch Schwäche und Muskelsteifheit gehören in gewissem Maße zu der Symptomatik: So können bei dem aufgeregten Pianisten die Finger so steif werden, dass er unmöglich Klavier spielen kann. Bei einem Geigenspieler verkrampfen sich die Finger, sie verrutschen und die Töne klingen äußerst schräg.
Dass sich die Muskeln in dem Augenblick emotionaler Berührung versteifen, zeigt das folgende von dem französischen Psychiater Hartenberg beschriebene Phänomen recht gut: Wenn man auf einer ansonsten menschenleeren Straße an einem anderen Passanten vorbeigeht, der auf demselben Gehsteig in die andere Richtung unterwegs ist, und ihm dabei unbeweglich in die Augen schaut, dann passiert es nicht selten, dass der andere in dem Moment, in dem man aneinander vorübergeht, ein oder zwei Mal mit der Ferse über den Boden schleift. In diesem Falle handelt es sich um einen schüchternen Menschen, den der feste Blick auf der Fassung bringt und bei dem eine aufkommende innere Unruhe eine plötzliche Steifheit in den Beinen hervorgerufen hat.
Starke emotionale Regungen können muskuläre Koordinationsstörungen hervorrufen; auf einmal laufen die Bewegungen nicht mehr harmonisch ab, der Schüchterne verliert jegliche Kontrolle über seine Gestik. Plötzlich wirkt er linkisch und ungeschickt, seine Füße verfangen sich im Teppich, er stößt gegen Möbel, lässt seinen Hut auf den Boden fallen und zerdeppert beim Aufheben eine Porzellanfigur. Am Buffet verschüttet er seine Tasse Tee oder sein Glas Champagner auf das Kleid seiner Nachbarin, er scheint vergessen zu haben, wie man richtig läuft oder sich hinsetzt. Er weiß nicht, wohin mit seinen Füßen, seinen Händen und überhaupt mit seiner ganzen Person.
Häufig kommt es auch zu Sprechstörungen, die ihren Ursprung in vier verschiedenen Bereichen haben:
- Psyche (mentale Verwirrung)
- Kehlkopf (Krämpfe in den Stimmbändern)
- Atemsystem (Kurzatmigkeit)
- Zunge und Lippen
Der Schüchterne zeigt während eines akuten Anfalls paranoide Störungen, gleichzeitig verkrampfen sich seine Stimmbänder, die in einigen Fällen ganz ihren Dienst versagen und dafür sorgen, dass es ihm die Stimme verschlägt.
Die Atmung beschleunigt sich, der Sänger trifft kaum den Ton und es fällt ihm schwer, die Melodie zu halten, er gerät außer Atem, die Stimme wird immer unsicherer und schließlich singt er falsch.
Der Redner verhaspelt sich und im Bereich der Zunge, der Lippen und der Wangen zucken die Muskeln. Die Zunge lässt sich mit einem Mal nicht mehr bewegen, die Lippen zittern, daher spricht er zögerlich, nuschelt und stottert.
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Es gibt die verschiedensten Arten von Versagensängsten. Im Folgenden wollen wir uns mit den häufigsten Erscheinungsformen beschäftigen.
Beginnen wir mit Prüfungsängsten. Kaum ein Prüfling bleibt wohl davon verschont. Wer schüchtern ist, weiß, wie unüberwindbar diese Prüfungen erscheinen, wie unendlich die Verzweiflung ist, wenn man merkt, dass man seine Gedanken nicht zusammenhalten kann und das Gelernte einfach nicht mehr abrufbar ist. Schon bei der ersten Frage weicht dem Prüfling jegliche Farbe aus dem Gesicht. Er verheddert sich in den einfachsten Sätzen, die er nicht zu Ende bringen kann. Ein böswilliger Prüfer kann ihm die unglaublichsten Dinge in den Mund legen.
Einige schüchterne Menschen reden ohne Punkt und Komma in der unbewussten Hoffnung, ihr Problem auf diese Weise zu verbergen oder in den Griff zu bekommen. Manche werden dabei sogar recht barsch und legen eine gewisse Aggressivität an den Tag. Sie scheinen die Sache nicht ernst zu nehmen und verärgern somit ihren Prüfer, obwohl sie im Grunde nur jegliche Kontrolle über sich selbst verloren haben.
Und wenn Sie Autofahrer sind, dann ist Ihnen sicherlich Ihre mehr oder weniger entfernt liegende Führerscheinprüfung noch einigermaßen im Gedächtnis. Erinnern Sie sich noch an diesen denkwürdigen Tag, an dem nach einer langen Wartezeit und einem Gespräch, in dem die Strenge der Prüfung immer höher aufgeschaukelt wurde, der Fahrprüfer Sie bat, neben ihm Platz zu nehmen. Obwohl Sie in den letzten Tagen noch so stolz darauf waren, wie sicher Sie den Wagen bereits lenkten, behalten Sie an diesem Tag ängstlich alle Bedienungsleuchten im Armaturenbrett im Auge.
Niemals, wirklich niemals hatte Ihr Auto so viele Knöpfe, Bedienungsschalter, Pedale und Leuchtanzeigen!
Todesmutig versuchten Sie dennoch loszufahren ... und finden nach einigen zögerlichen Tastbewegungen auch tatsächlich den Zündschlüssel.
„Sie müssen schon einen Gang einlegen.“ Sie machen einen brutalen Sprung nach vorne und das Auto bleibt stehen...

Es gibt einige, wenn auch wenige Künstler, die an ihrem Lampenfieber festhalten. Sie sehen es als notwendiges Übel, das es ihnen erlaubt, ihr Können optimal zu entfalten und mit ihren Emotionen die Seele des Zuschauers zu berühren. So erging es beispielsweise Simone Signoret, deren ungeheures Talent stets unglaublichen Beifall fand.
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Ich hatte den Lehrstuhl erst seit kurzem inne, ich fühlte mich arm und bereute es fast schon, dass ich mir wirklich diesen Vortrag in genau dem Hörsaal aufgehalst hatte, in dem schon viele Male meine berühmtesten Lehrmeister geredet hatten.
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Die erste und größte Aufregung war abgeflaut, doch wie trocken fühlte sich meine Kehle an und wie heiß brannte mein Gesicht!
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Sexuelle Versagensängste gehören aus medizinischer Sicht zu den bedeutungsvollsten Angststörungen, da sie nicht selten in Impotenz münden. Ich spreche recht häufig mit Männern, die sich über Impotenz beklagen. Bei nicht einmal der Hälfte von ihnen ist eine organische Ursache festzustellen. Fast immer handelt es sich um einen sensiblen Mann, der bedingt durch eine schlechte körperliche oder seelische Verfassung im Bett versagt hat. Dieser Misserfolg hat ihn heftig berührt und auch der Gedanke an Impotenz beschäftigt ihn, verfolgt ihn; und jedes Mal, wenn er sich danach erneut in dieser Situation befindet, stellt er sich die Frage: „Wie werde ich heute reagieren?“ oder „Hoffen wir nicht, dass…“.
Er ist beunruhigt, ängstlich und muss notgedrungen an die Möglichkeit eines neuerlichen Versagens denken. Je weiter er den Gedanken von sich schieben möchte, umso hartnäckiger kehrt er zurück. Diese Eventualität hat sich in seinem Kopf festgesetzt und quält ihn.
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Dies ruft mir eine kleine Geschichte in Erinnerung, die mir kürzlich jemand erzählt hat.
Ein polnischer Jude hatte seinen Sohn in die Hauptstadt geschickt, um ihn ein langes und kostspieliges Studium der Physik und der Chemie absolvieren zu lassen.
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„Jetzt musst du mir nur Gold herstellen!“
„Ja“, fuhr der Vater fort, „du musst unbedingt Gold herstellen.“
„Das hast du doch sicherlich an der Universität gelernt?“ „Gut“, sprach der Sohn, „dann nimm diesen Mörser und die Schüssel und zermahle diese Kristalle drei Stunden lang zu Pulver. Wenn du in diesen drei Stunden kein einziges Mal an Krokodile denkst, findest du auf dem Boden deiner Mörserschüssel Gold."
Nach einer halben Stunde ließ der alte Jude von seiner Arbeit ab und sagte: „Es ist ganz eigenartig, normalerweise denke ich niemals an Krokodile, aber jetzt kann ich an nichts anderes mehr denken..."
Genau das ist es, was sich im Kopf eines sensiblen Mannes nach einer demütigenden Situation im Bett abspielt. Er wendet seine ganze Willenskraft auf, um dieses beschämende Erlebnis aus seinen Kopf zu vertreiben, das ihn einfach nicht loslässt, doch seine Fantasie spielt ihm einen Streich. Es ist genau so, wie es Coué formulierte: „Ich würde gerne, kann aber nicht“.
Dies ist der beste Beweis dafür, dass man bei seelisch bedingter Impotenz nicht den Willen des Betroffenen stärken muss, der in diesem Falle nichts bewirken kann. Vielmehr muss man an seiner Vorstellungskraft arbeiten, denn mit ihrer Hilfe lässt sich das Problem aus der Welt schaffen. Man kann mittels des Vorstellungsvermögens ganz gezielt Gedanken kultivieren, die das Selbstvertrauen stärken und bald schon die negativen Erinnerungen neutralisieren werden.
Dr. Cololian geht in einer Studie über Angst und Lampenfieber auch auf sexuelle Versagensängste ein, die er aber als selten bezeichnet. Ich würde aber vor dem Hintergrund meiner bereits langjährigen Erfahrung auf diesem Gebiet eher sagen, dass mittlerweile viele Männer davon betroffen sind. In der Studie schildert Dr. Cololian den Fall eines jungen Ehepaars. In den ersten Tagen der Ehe konnte der schüchterne und sensible Ehemann seine ehelichen Pflichten nicht erfüllen, die die junge Frau zu Recht von ihm einforderte.
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Im Mittelpunkt der Behandlung steht hier sicherlich ein mentales Training, in einigen Fällen kann auch die Psychoanalyse hilfreich sein, um die unbewusste Ursache für Schüchternheit oder Versagensängste herauszufinden.
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Kurz, diese Formeln sollten langsam und monoton in der Art einer Litanei oder eines Mantras gesprochen werden, ohne den Willen allzu sehr zu bemühen.
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Und einige der fettgedruckten Formulierungen auf den folgenden Seiten appellieren in erster Linie an unsere Vernunft.
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Frei nach dem weisen Motto eines Moralphilosophen – Schwierigkeiten sind nicht dazu da, um uns zu zerstören, sondern um sie zu zerstören.
Wer schüchtern ist, tut gut daran, sich ständig diese Grundprinzipien in Erinnerung zu rufen, die wir in kurze und prägnante Sätze „verpackt“ haben.
Vielen Schüchternen hilft es, sich vor dem Verlassen des Hauses, vor Inangriffnahme einer schwierigen und abschreckenden Arbeit oder auch vor der Erledigung von Dingen, die sie von vornherein lähmen, diese motivierenden Sätze laut aufzusagen.
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Um Künstlern, die auf die Bühne müssen, Rednern, die sich einem zahlreichen Publikum zu stellen haben, sowie Anwälten und all jenen, die das Wort ergreifen müssen, zu helfen, stellen wir im zweiten Teil des Buches Formeln vor, mit denen bereits beste Ergebnisse erzielt wurden.
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Ich bleibe stets Herr der Lage.
