Wahrer Reichtum liegt direkt vor Ihrer Tür!


land der diamantenDas Land der Diamanten
von Russell H. Conwell

Kurzbeschreibung:
Russell Conwell, der größte motivierende Redner seiner Zeit, Gründer der Temple University in Philadelphia USA, hervorragender Anwalt, Verfasser, Unternehmer und Pastor, fordert mit seiner berühmten „Acres of Diamants"-Rede dazu heraus, den wahren Reichtum in seinem eigenen Garten zu suchen, ohne durch Egoismus und Habsucht abgelenkt zu werden. Ob Sie Angestellter, Unternehmer, Ausbilder, Lehrling, Fachmann oder Laie sind: dieses Buch hat eine revolutionäre Auswirkung auf Ihr Leben.

 

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 Hier einige Schlagwörter, zu denen Sie im Buch mehr finden:

Geld, Euro, arm, Häuser, reich, Freunde, Größe, Diamanten, Geschichte, Mutter, Massachusetts, Unternehmen, Geschäft.


Leseprobe des Buches:

Als ich vor vielen Jahren mit einer Gruppe englischer Touristen das Gebiet entlang der Flüsse Euphrat und Tigris bereiste, befand ich mich unter der Leitung eines alten arabischen Reiseführers, den wir in Bagdad engagiert hatten. Häufig dachte ich daran, dass dieser Reiseführer in seinem Selbstverständnis unseren Friseuren ähnelte. Er war der Ansicht, seine Aufgabe bestünde nicht nur darin, uns entlang dieser Flüsse zu geleiten und das zu tun, wofür er bezahlt wurde, sondern er sah es auch als seine Pflicht, uns mit kuriosen und geheimnisvollen, alten und modernen, fremden und eigenen Geschichten zu unterhalten. Viele dieser Geschichten habe ich längst vergessen und darüber bin ich auch nicht unglücklich. Eine von ihnen jedoch wird mir stets im Gedächtnis bleiben.

*

Der alte Führer führte mein Kamel am Halfter an den Ufern der antiken Wasserströme entlang und erzählte mir eine Geschichte nach der anderen, so lange, bis ich des Zuhörens überdrüssig wurde und einfach „auf Durchzug“ stellte. Es hat mich eigentlich nie gestört, wenn sich der Führer darüber aufregte, dass ich ihm nicht mehr zuhörte. Aber ich erinnere mich, dass er bei einer Geschichte seine orientalische Kappe vom Kopf riss und sie herumschwenkte, um meine Aufmerksamkeit zu erregen. Ich sah ihn dabei aus den Augenwinkeln, schaute ihn aber nicht direkt an, weil ich fürchtete, er könnte mit einer weiteren Geschichte beginnen. Zwar bin ich keine Frau, aber irgendwann kreuzten sich dann doch einmal unsere Blicke und sofort setzte er erneut an.

„Ich werde Ihnen nun eine Geschichte erzählen, die sonst nur für die Ohren meiner engsten Freunde bestimmt ist.“

Als er die Worte „engste Freunde“ besonders betonte, spitzte ich die Ohren und im Nachhinein kann ich mich selbst nur beglückwünschen, dies getan zu haben. Ich bin ihm von Herzen dankbar für diese Geschichte, die ich im Rahmen einer Vorlesung vor 1.674 jungen Zuhörern im College zum Besten gab und auch sie alle sind froh, diese Geschichte gehört zu haben. Der alte Führer erzählte mir von einem alten Perser namens Ali Hafed, der in der Nähe des Flusses Indus gelebt hatte. Ali Hafed besaß einen riesigen landwirtschaftlichen Betrieb, zu dem Obstplantagen, Getreidefelder und Gärten gehörten. Er hatte eine ganze Menge Geld auf die hohe Kante gelegt. Er war zufrieden, weil er reich war, und reich, weil er zufrieden war.

Eines Tages erhielt der alte persische Bauer Besuch von einem alten buddhistischen Prediger, einem Weisen aus dem Orient. Der Prediger machte es sich in einer Ecke unweit des Feuers bequem und erzählte dem alten Bauern, wie unsere Welt erschaffen worden war. Er sagte ihm, dass diese Welt einst nichts anderes als ein Nebelschwaden gewesen war. Der Schöpfer legte seinen Finger in diesen Schwaden und begann, den Schwaden zunächst langsam und dann immer schneller zu drehen, bis der Nebelschwaden einen Wirbel bildete und sich schließlich in eine feste Feuerkugel verwandelte. Diese Kugel rollte durchs Universum, brannte sich ihren Weg durch andere Nebelschwaden, deren äußere Feuchtigkeit sie kondensierte, die schließlich in einer Regenflut auf ihre dürre Oberfläche fiel und die Außenkruste erkalten ließ.

Das innere Feuer, das immer noch loderte und über die Kruste nach außen schlug, bildete die Berge und Hügel, Täler, Ebenen und Prärien unserer wunderschönen Welt. Wenn diese Masse sehr schnell sprudelte und erkaltete, wurde sie zu Granit. Geschah dies etwas langsamer, so wurde sie zu Kupfer. Bei einem noch geringeren Tempo entstand Silber, bei der nächstlangsameren Stufe war es Gold und nach dem Gold bildeten sich schließlich Diamanten.

Der alte Priester sprach: „Ein Diamant ist ein gefrorener Tropfen des Sonnenlichts.“

Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Aussage vollkommen korrekt: Ein Diamant besteht aus Kohlenstoffablagerungen der Sonne. Der alte Priester sagte zu Ali Hafed, wenn er einen Diamanten in der Größe seines Daumens besäße, so könnte er den ganzen Verwaltungsbezirk kaufen. Besäße er aber eine Diamantenmine, so könnte er seine Kinder zu Herrschern machen, da ihm dieser Reichtum so viel Einfluss verleihen würde.

Ali Hafed hörte sich alles über Diamanten und ihren Wert an und legte sich an diesem Abend als armer Mann schlafen.

*

Er verkaufte sein Anwesen, kratzte all sein Geld zusammen, vertraute seine Familie einem Nachbarn an und machte sich auf die Suche nach Diamanten.

*

Dieser Mann also, der das Anwesen von Ali Hafed erworben hatte, führte eines Tages sein Kamel in den Garten, damit es seinen Durst stillen konnte.

*

Als der alte arabische Führer mit dem zweiten Kapitel seiner Geschichte geendet hatte, zog er seinen orientalischen Turban ab und schwenkte ihn in der Luft hin und her, um meine Aufmerksamkeit auf die Moral von der Geschichte zu lenken.

*

Wäre Ali Hafed bei sich zu Hause geblieben und hätte er seinen eigenen Keller, seine eigenen Weizenfelder und seinen eigenen Garten durchsucht, so hätte er gewusst, dass er Besitzer von „Diamantminen“ war. Ihm wären extremer Armut und Hunger erspart geblieben und niemals hätte er sich fern der Heimat das Leben genommen.

*

Der frühere Besitzer der Ranch hatte stets von Gold geträumt und hätte auf seinem eigenen Grund und Boden Gold in Hülle und Fülle finden können. Seit jener Zeit hat man auf diesem wenige Hektar großen Anwesen Gold im Wert von 38 Millionen Euro gewinnen können.

*

Wenn es etwas gibt, was ich wirklich über alles liebe, wenn ich irgendwo an einem Rednerpult stehe, so ist dies, wenn ich eine deutschstämmige Hörerschaft aus Pennsylvania vor mir habe, an die ich mich wenden kann.

In Pennsylvania lebte einst ein Mann, der sich von vielen anderen Einwohnern Pennsylvanias äußerlich nicht unterschied. Er besaß eine Farm, mit der er genau das tat, was ich auch tun würde, wenn ich eine Farm in Pennsylvania hätte – er verkaufte sie weiter. Doch bevor er das tat, beschloss er, in Zukunft gemeinsam mit seinem Cousin in der Kohleölgewinnung zu arbeiten. Der war im kanadischen Erdölsektor tätig, seitdem man in Kanada erstmalig auf dem nordamerikanischen Kontinent Erdöl entdeckt hatte.

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Doch ich will die Sache noch mit einem anderen Beispiel veranschaulichen. Das, wovon ich Ihnen nun berichten möchte, hat sich in Massachusetts ereignet und das gefällt mir ehrlich gesagt überhaupt nicht, denn dies ist mein Heimatstaat. Aber ich muss sagen, dass ich viel über den Mann aus Massachusetts, um den es in dieser Geschichte geht, nachgedacht habe.

Er hatte am College von Yale Bergbau studiert. Er wurde zu einem hervorragenden Bergbauingenieur, dem die Universitätsleitung die Aufgabe anvertraute, jene Studenten zu schulen, die in ihren Kursen hinterherhinkten. Im Laufe seines letzten Studienjahres verdiente er für diese Arbeit 150 Euro wöchentlich. Nach seiner erfolgreichen Diplomprüfung stieg sein Wochenlohn von 150 auf 450 Euro. Man bot ihm einen Lehrstuhl an, doch anstatt zuzusagen, sprach er sofort mit seiner Mutter darüber.

„Mutter, für 450 Euro in der Woche werde ich nicht arbeiten. Jemand mit meinen geistigen Fähigkeiten soll für 450 Euro in der Woche arbeiten! Lass uns nach Kalifornien gehen, dort gibt es Gold- und Silberminen zu entdecken und wir können unglaublich reich werden.“

„Hör mal, Charlie, glücklich zu sein ist ebenso gut wie reich zu sein.“

„Ja“, antwortete Charlie, „aber es ist auch gut, reich und glücklich zu sein.“

Da er ihr einziger Sohn und sie Witwe war, setzte er sich schließlich durch.

Sie verkauften ihren Besitz in Massachusetts und anstatt nach Kalifornien zu gehen, zogen sie nach Wisconsin um.  Hier fand der junge Mann Arbeit in einem Unternehmen aus dem Bereich der Kupfergewinnung, der Superior Copper Mining Company. Auch hier zahlte man ihm 150 Euro in der Woche. Allerdings enthielt sein Vertrag eine Klausel, nach der er sich darum bemühen müsse, neue Kupfervorkommen für sein Unternehmen zu entdecken. Ich glaube nicht, dass er irgendwann auch nur auf ein einziges Vorkommen gestoßen ist, und wenn ich an die Aktionäre des Unternehmens denke, so finde ich das überaus schade. Freunde von mir können heute Abend nicht hier sein, weil ihnen das Geld für ein Reiseticket fehlt. Sie hatten seinerzeit Anteile an diesem Unternehmen erworben, in dem der junge Mann tätig war. Nachdem er seine Arbeit dort aufgenommen hatte, habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Ich weiß nicht, wie es mit ihm weiterging, ob er auf Kupfervorkommen gestoßen ist oder nicht, aber ich denke nicht, dass es der Fall war.

Ich weiß allerdings, wie die Geschichte auf der anderen Seite weiterging. Der junge Mann hatte kaum seinem ehemaligen Zuhause den Rücken gekehrt, als der neue Besitzer mit der Kartoffelernte begann. Die Kartoffeln waren zum Zeitpunkt des Verkaufs bereits in der Erde gewesen. Als der Korb voll war, stellte er ihn also auf den Boden, zog ihn von der einen Seite und schob ihn von der anderen Seite. Dabei bemerkte er in einer Ecke der Steinmauer unweit des Eingangs einen quadratischen Block aus reinem Silber mit einer Seitenlänge von 20 cm.

Als der Professor für Bergbau und Mineralogie, der so gut wusste, dass es sich nicht lohnt, für 450 Euro die Woche zu arbeiten, seinen Besitz in Massachusetts verkaufte, saß er buchstäblich auf dem Silber, das ihn reich gemacht hätte.

*

Meine Freunde, diese Art von Fehler wird immer wieder begangen und wir haben kein Recht, das Abenteuer dieses jungen Mannes zu belächeln.

*

Ich fände es wunderbar, wenn heute Abend der Hörsaal voll wäre mit jungen Besuchern weiterführender Schulen, zu denen ich sprechen könnte.

*

Ich kann Ihnen nur bestätigen, dass sich auch an Ihrem Wohnort eine „Diamantenmine“ befindet.

Aber, werden Sie mir entgegnen: „Sie haben doch gar keine Ahnung, wo ich lebe, wie kommen Sie dann darauf, dass sich dort „Diamantminen“ befinden könnten!“?

*

Tja, meine Freunde, Sie werden niemals mit Sicherheit behaupten können, dass Sie nicht auf einer der größten Diamantenmine der Welt sitzen, denn derartige Diamanten kommen lediglich aus den ergiebigsten Minen der Erde.

Die Wahrscheinlichkeit ist nirgendwo größer als hier, an diesem Ort, an dem Sie heute leben und niemals in der Menschheitsgeschichte hat ein armer Mann, dem jegliches Kapital fehlte, dank neuester Technologien eine derartige Gelegenheit gehabt, so schnell und auf so ehrenhafte Weise reich zu werden wie hier und heute.

*

"Ich möchte es Ihnen kurz und bündig sagen, auch wenn dies eigentlich das Thema einer Diskussion sein sollte, für die ich an dieser Stelle leider keine Zeit habe: 98 % der Reichen unseres Landes sind aufrichtige Menschen.

Sie leiten große Unternehmen und finden viele Menschen, die bereit sind, mit ihnen zusammenzuarbeiten."

*

"Ja, natürlich hören Sie von ihnen, das geht mir nicht anders. Aber es gibt nur sehr wenige von ihnen. Tatsache ist, dass sich die Zeitungen auf diese Fälle stürzen und ständig davon berichten, so dass man den Eindruck gewinnt, auch alle anderen reichen Menschen hätten diesen unehrlichen Weg gewählt."

*

"Ein Mensch ist kein echter Mensch, wenn er nicht sein eigenes Haus besitzt. Und jene, die ihre eigene Immobilie besitzen, sind die anständigsten, ehrlichsten und reinsten Menschen, sie sind loyal, sparsam und umsichtig, denn schließlich besitzen sie ihr eigenes Haus."

*

"Ansonsten hätte ich sicherlich nicht all die Jahre lang Vorlesungen gehalten, in denen ich meine Sympathie für die Armen immer wieder bekundet habe. Aber die Zahl der Armen, die Sympathie verdient haben, ist sehr klein."

*

Ich finde es schrecklich, Missverständnisse und Vorurteile im Raum stehen zu lassen. Ich habe einen Mann gehört, der bei einer Gebetsversammlung in unserem Ort aufstand und dem Herrn dankte, weil er einer „der Armen vor Gott“ war.un, ich überlege mir, was seine Frau wohl davon hält. Sie war diejenige, die den gesamten Lebensunterhalt bestritt und er verrauchte einen Teil davon auf der Veranda. Ich möchte keine Armen vor Gott dieser Art mehr sehen und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Herr dies gutheißt. Dennoch gibt es immer noch Menschen, die davon überzeugt sind, dass man arm und sehr schmutzig sein muss, wenn man wirklich gottesfürchtig sein möchte.


Auch wenn wir den Armen mit Sympathie begegnen, so ist dies kein Grund, eine solche Doktrin zu lehren.

In unserem Zeitalter warnt man uns davor, einem Christen oder wie die Juden sagen würden, einem Mann Gottes dazu zu raten, reich zu werden. Das Vorurteil ist so universal und es grassiert seit so geraumer Zeit, dass ich unbedingt den Fall eines jungen Mannes zitieren möchte, den ich vor vielen Jahren an der Temple Universität kennen lernte. Er besuchte unser theologisches Institut und war davon überzeugt, dort der einzige wirklich fromme Student zu sein.

„Herr Präsident, ich glaube, es ist meine Pflicht, mit Ihnen zu sprechen. Ich habe Sie bei der Aushändigung der Diplome sagen hören, dass es Ihrer Ansicht nach für einen jungen Mann ein ehrenwertes Bestreben sei, sich Reichtum zu wünschen. Dies verleihe ihm Mäßigung, mache ihn arbeitsam und wecke in ihm den Wunsch, sich einen ehrenwerten Ruf zu erarbeiten. Sie sagten, das Streben eines Mannes nach Geld trage dazu bei, aus ihm einen guten Menschen zu machen. Doch ich bin gekommen, um Sie daran zu erinnern, dass laut Aussage der Heiligen Schrift , „Geld die Wurzel allen Übels“ ist‘“

Ich antwortete ihm darauf, dass ich in der Bibel noch niemals etwas Derartiges gelesen habe. Ich riet ihm, in die Kapelle zu gehen, dort die Bibel zu holen und mir das Zitat zu zeigen. Er holte also die Bibel. Kurz darauf kam er in mein Büro zurück, hielt mir das geöffnete Buch hin, mit all dem fanatischen Stolz eines enggeistigen Fanatikers oder eines Menschen, der seinen christlichen Glauben auf eine fehlerhafte Interpretation der Schriften gründet.

„Hier, Herr Präsident, lesen Sie bitte selbst.“

„Nun, junger Mann, wenn Sie etwas älter sind, dann werden Sie lernen, dass man den Angehörigen einer anderen Konfession niemals bitten kann, die Bibel an seiner Statt zu lesen.

Dennoch lehrt man Sie im theologischen Institut, dass die Betonung, die man auf ein Zitat legt, bereits Exegese ist. Würden Sie daher nun bitte diese Bibel zur Hand nehmen, Sie selbst lesen und dabei die Betonung richtig setzen?“ N

Er nahm die Bibel zur Hand und las voller Selbstüberzeugung:

„Die Liebe zum Geld ist die Wurzel allen Übels.“

Und erst da hatte er Recht, und wenn jemand die Heilige Schrift richtig zitiert, so spricht er stets die reine Wahrheit. 50 Jahre lang habe ich den größten Kampf mit ansehen müssen, den die Bibel jemals ausfocht und ich durfte miterleben, dass sie mit wehenden Fahnen den Sieg davon trug. Denn niemals zuvor stimmten so viele große Denker mit der Meinung der Bibel überein wie heute.

Jetzt konnte ich ihm bestätigen, dass er die Bibel richtig zitiert hatte, und nun hatte er natürlich die absolute Wahrheit gesagt. „Die Liebe zum Geld ist die Wurzel allen Übels.“ Wer versucht, sich des Geldes zu schnell oder auf unredliche Weise zu bemächtigen, wird immer wieder stolpern, darüber besteht kein Zweifel. Was soll das heißen? Das heißt, wer das Geld als Götze sieht, es anbetet und verherrlicht, wird sowohl von der Heiligen Schrift als auch vom gesunden Menschenverstand verurteilt. Wer nur den Mammon verehrt, anstatt daran zu denken, wofür er das Geld verwenden sollte, wer einfach das Geld verherrlicht, der Geizige, der das Geld in seinem Speicher versteckt oder es in einem Wollstrumpf hortet, wer es ablehnt, mit seinem Geld Gutes auf der Welt zu tun, der trägt in sich die Wurzel allen Übels.

*

„Herr Conwell, kann es sein, dass Sie 31 Jahre lange in Philadelphia gelebt haben, ohne zu wissen, dass die Zeiten vorüber sind, in denen man in dieser Stadt einfach alles machte konnte?“

*

„Wenn Sie innerhalb von 20 Jahren in Philadelphia nicht mehr als 10.000 Euro verdient haben, dann hätte Philadelphia besser daran getan, Sie nach 19 Jahren und 9 Monaten rauszuwerfen. Ein Mensch hat nicht das Recht, 20 Jahre lang ein Geschäft in Philadelphia zu führen, ohne mindestens 500.000 Euro oder noch mehr zu verdienen, selbst wenn es sich nur um einen Kramladen an der Ecke im Zentrum der Stadt handelt.“

*

Was mir zu diesem Zeitpunkt fehlte, war schlicht und einfach die Erkenntnis, dass die Grundlage der Frömmigkeit und das Prinzip des geschäftlichen Erfolges absolut identisch sind.

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„Ich kann aber kein Geschäft betreiben.“

Ich spreche hier von Geschäften, aber das Prinzip lässt sich auf alle Metiers anwenden.

„Und warum können Sie kein Geschäft betreiben?“

„Weil ich nicht das geringste Kapital besitze.“

Oh, was für eine schwache und anmaßende Kreatur, die nicht weiter als bis zur eigenen Nasenspitze schaut!

„Hätte ich genügend Kapital, könnte ich richtig reich werden.“

„Junger Mann, Sie glauben reich werden zu können, wenn Sie Kapital besäßen?“

„Wenn Ihre Mutter viel Geld hat und Ihnen die finanzielle Grundlage für die Eröffnung eines Geschäfts schafft, dann führen Sie im Grunde nicht Ihr Geschäft, sondern betreiben das Geschäft ihrer Mutter mit deren Kapital.“

Sobald ein junger Mann oder eine junge Frau mehr Geld geschenkt bekommt, als er oder sie es aus Jugendzeiten kennt, ist er oder sie verflucht. Eine Erbschaft bringt einem jungen Mann oder einer jungen Frau wirklich gar nichts. Es macht keinen Sinn, Ihren Kindern Geld zu hinterlassen. Wenn Sie ihnen eine gute Ausbildung ermöglichen, ihnen christliches Denken und einen guten Charakter anerziehen, wenn Sie ihnen einen riesigen Freundeskreis bieten und ihnen einen ehrbaren Namen geben, so ist dies viel mehr wert, als ihnen Geld zu hinterlassen. Allein schon die Erbschaft einiger weniger Euros wäre für sie und das Land von großem Nachteil.

Und ja, junger Mann, wenn Sie Geld geerbt haben, dann begehen Sie nicht den Fehler, dies als hilfreich zu betrachten. Dieses Geld wird Ihnen Ihr ganzes Leben nur eine Last sein und Ihnen die besten Dinge vorenthalten, die das menschliche Dasein zu bieten hat. Es gibt kaum eine Gruppe von Menschen, mit denen man mehr Mitleid haben muss, als die unerfahrenen Söhne und Töchter von reichen Menschen unserer Generation. Ich habe großes Mitleid mit dem Sohn aus reicher Familie. Er wird die besten Dinge des Lebens niemals kennen lernen.

Zu den wunderbarsten Erfahrungen im Leben eines jungen Mannes gehört es, wenn er sich seinen eigenen Unterhalt verdient, sich mit einer entzückenden jungen Frau verlobt und beschließt, sein eigenes Haus zu kaufen. Mit dieser Liebe kommt auch die göttliche Inspiration für das, was im Leben eigentlich wichtig ist. Er beginnt, Geld anzusparen, schlechte Angewohnheiten über Bord zu werfen und Geld auf sein Sparkonto einzuzahlen. Sobald sein Konto auf einige tausend Euro angewachsen ist, sucht er am Stadtrand nach einem Haus. Er macht vielleicht einen Termin mit der Sparkasse aus, um die Hälfte des Kaufpreises finanzieren zu lassen, dann wird er sich mit seiner Frau treffen.

„Dieses Haus habe ich mir ganz allein erarbeitet, es gehört mir ganz und gar und ich werde es mit dir teilen.”

Dies ist der großartigste Augenblick, den ein menschliches Herz je erleben darf.

*

Wenn ein Sohn aus reichem Hause so handelt, erarbeitet er sich die Disziplin eines armen Menschen, und das ist sehr viel mehr wert als ein Universitätsstudium.

*

Die Grundlage seines Vermögens war ein Verlust, durch den er eine ganz wichtige Lektion lernte: Man sollte seine Energie oder sein Geld nur in Dinge investieren, die die Menschen wirklich benötigen.

*

Das beste Beispiel dafür lieferte meiner Meinung nach John Jakob Astor, der in New York durch Pelzhandel und Immobilien zum reichsten Mann seiner Zeit wurde.

*

Liebe Freunde, haben Sie niemals das geniale Buch von Jacob August Riis gelesen, dessen wir hier nach seinem kürzlichen Tod ehrenvoll gedenken wollen, in dem er statistische Angaben über die 107 Millionäre in New York macht?

Astor hatte einem Modegeschäft eine Hypothek gewährt, doch die Betreiber des Geschäfts verkauften nicht genügend Hüte, um die Zinsen zahlen zu können.

Es blieb ihnen nichts anderes übrig, sie mussten die Ware verkaufen, um an Geld zu kommen.

Doch Astor stellte sich nicht zu ihnen ins Geschäft, sondern setzte sich auf eine schattige Parkbank.

Er saß auf der Bank und wenn eine Dame vorüberging, erhobenen Hauptes und mit herausgestreckter Brust, die geradeaus blickte, so als sei es ihr vollkommen gleichgültig, dass alle Blicke auf ihr ruhten, schaute er sich ganz genau ihren Hut an.

„Legen Sie bitte so einen Hut ins Schaufenster, wie ich Ihnen jetzt beschreiben werde, denn ich habe eine Dame gesehen, die diese Art von Hüten liebt.“

Astor beging also nicht den Fehler, das Schaufenster seines im Zentrum der Stadt gelegenen Geschäfts mit eigenen Hutkollektionen zu füllen, die die Kundinnen nur in die Flucht trieben, um sich dann darüber zu beschweren, dass alle Damen bei Wanamaker kauften.

*

„Oh doch,“ antwortet mir ein junger Mann, „auch hier gibt es dafür Möglichkeiten, sofern Sie ein Großunternehmen im Rücken haben und über ein Startkapital von zwei Millionen Euro verfügen.“

„Junger Mann, Großunternehmen haben heute durch die starke Kritik an den Trusts deutlich an Bedeutung verloren und das zeigt nur, dass nunmehr die Stunde der Kleinunternehmen gekommen ist. Niemals in der Weltgeschichte war der Augenblick so günstig wie jetzt, schnellen Reichtum ohne Startkapitel zu machen. Aber, werden Sie mir antworten, so geht das nun einmal nicht. Man kann ohne Kapital nichts auf die Beine stellen.“

„Das ist meine Aufgabe gegenüber jedem jungen Mann und jedem jungen Mädchen, denn wir alle werden uns sehr bald schon gleichermaßen geschäftlich betätigen.“ Junger Mann, wenn Sie wissen, was die Menschen benötigen, dann bringt Ihnen dies für Ihren zukünftigen Reichtum deutlich mehr als  irgendein Kapital, wie hoch es auch sein mag.“

*

Es war einmal ein armer arbeitsloser Mann, der in Hingham im US-Staat Massachusetts lebte. Er verbrachte seine Tage damit, um das Haus herumzuspazieren, bis ihm eines Tages seine Frau sagte, er solle etwas arbeiten, und da er in Massachusetts lebte, gehorchte er seiner Frau. Er zog los, setzte sich ans Ufer der Bucht und schnitzte mit einem Messer eine Kette aus einem Stück Holz. An diesem Abend stritten sich seine Kinder um die Kette und er schnitzte eine zweite Kette, damit es keinen Streit mehr gäbe.


„Warum schnitzt du eigentlich mit dem Messer keine Spielzeuge, die du dann verkaufst? Damit könntest du gutes Geld verdienen.“

„Oh“, antwortete der Mann, „ich weiß aber nicht so genau, was ich machen soll.“

„Warum fragst du nicht deine eigenen Kinder, was du machen kannst?“

„Warum sollte ich das versuchen? Meine Kinder sind anders als die Kinder von anderen.“

(Solche Menschen begegneten mir damals, als ich noch unterrichtete.)

Doch er befolgte den Rat, den man ihm gegeben hatte.

Daraufhin erzählte sie ihm, dass sie gerne ein Bett für ihre Puppe hätte, einen Toilettentisch für ihre Puppe, einen kleinen Schirm für ihre Puppe und so weiter und so weiter. Sie betete ihm eine richtige Litanei von Gegenständen herunter, mit deren Herstellung er bis ans Ende seiner Tage beschäftigt gewesen wäre. Nachdem er seine eigenen Kinder befragt hatte, nahm er das Feuerholz, denn für Bauholz hatte er kein Geld. Daraus schnitzte er nun die robusten und unbemalten Spielzeuge von Hingham, die sich jahrelang weltweit größter Beliebtheit erfreuten. Dieser Mann hatte diese Spielzeuge zunächst für seine eigenen Kinder hergestellt, dann produzierte er Nachbildungen, die er in einem benachbarten Schuhgeschäft verkaufte. Anfangs verdiente er ein bisschen Geld, dann ein bisschen mehr. Herr Lawson von Frenzied Finance bestätigt, dass er heute der reichste Mann von Massachusetts ist und ich denke, das stimmt. Dieser Mann, dessen Vermögen heute auf 100 Millionen Euro geschätzt wird, arbeitete 34 Jahre lang nach einem einzigen Prinzip – er ging davon aus, dass das, was seine Kinder gerne zu Hause hätten, auch den Kindern anderer Eltern gefallen würde. Wer die Wünsche der Menschen aus eigener Sicht, aus der Sicht seiner Frau oder auch aus der Sicht seiner Kinder beurteilt, beruft sich auf den besten Ratgeber, den es für eine erfolgreiche Produktionsstrategie geben kann. Aber, so werden Sie mich fragen, hatte er denn gar kein Kapital? Doch, er hatte ein Taschenmesser, das er sich vielleicht sogar ausgeliehen hatte!

*

„Also erfinde einen speziellen Kragenknopf und werde reich damit.“

*

Wer sind die größten Erfinder der Welt?

*

Ein wirklich großartiger Mensch ist ein gewöhnlicher, einfacher, offener und direkter Mann, ein Mann mit gesundem Menschenverstand.

Sicherlich würden Sie auch in Ihrer Nachbarschaft nicht unbedingt Genialität vermuten. Die Großartigkeit ist immer weit weg, irgendwo anders.

*

Haben Sie schon einmal einen Mann gesehen, der derart herumstolziert, dass er nicht einmal einen Bauarbeiter bemerkt?Glauben Sie, dass ein solcher Mensch wahre Größe hat? Er ist nichts als ein aufgeblasener Luftballon, der lediglich durch seine großen Füße am Boden gehalten wird. Mit wahrer Größe hat dies nichts zu tun.

Doch wer sind die wirklich großen Männer und großen Frauen? Genau in dieser Hinsicht wurde ich erst kürzlich auf eine Geschichte aufmerksam, bei der ein sehr armer Mann durch eine ganz kleine Sache reich geworden ist. Im Grunde ergab sich die ganze Sache aus einer recht traurigen Situation. Und doch war es genau diese zunächst negative Erfahrung, die bewirkte, dass ein Mann, der weder ein großer Erfinder noch ein Genie war, die Sicherheitsnadel erfand und somit den Reichtum einer der größten Aristokratenfamilien dieses Landes begründete.

*

Ein armer Mann aus Massachusetts, der in einer Nagelfabrik arbeitete, hatte sich im Alter von 38 Jahren eine Verletzung zugezogen und konnte seither nur noch eingeschränkt Geld verdienen. Er war in einem Büro angestellt und seine Aufgabe war es, die Spuren zu entfernen, die Bleistiftnotizen auf den Rechnungen hinterlassen hatten. Er radierte und radierte, bis ihm die Finger weh taten. Da kam ihm die Idee, ein Stück Gummi auf einen kleinen Stab zu setzen und verwendete dieses Konstrukt wie einen Hobel.

*

Zeigen Sie mir die großen Männer und die großen Frauen, die in Ihrer Stadt leben.

*

Ich möchte sagen, dass es an der Zeit ist, etwas für diese Stadt zu tun. Wir sollten beginnen, Gutes über das zu sagen, was diese Stadt zu bieten hat. Und wir sollten damit beginnen, bevor es der Rest der Welt tut, so wie die Einwohner von Chicago, New York, Saint-Louis und San Francisco.

*

„Diese Nation, in der das Volk die Gesetze macht, wird vom Volk regiert, und solange dies so sein wird, ist der Gewählte nichts anderes als der Diener des Volkes.“

*

Es ist möglich, dass ich mich dann sogar um einen Regierungsposten bewerben werde. Aber wenn es das Streben nach einem Regierungsposten ist, das die Frauen um ihr Wahlrecht kämpfen lässt, dann möchte ich den Frauen genau das sagen, was ich auch dem jungen Mann gesagt habe. Die Abgabe einer einzigen Stimme ist nichts, was der Mühe wert wäre.

*

Wir alle glaubten, dass er nun den Gemeindepfarrer vorstellen würde, der der einzige Redner der Stadt war. Wir rechneten damit, dass dieser nun eine feierliche Rede halten würde zur Ehren der aus dem Krieg heimgekehrten Soldaten.

Es erscheint eigenartig, dass ein Mann nicht weiß, dass man die Kunst des Redens in jungen Jahren erlernen muss, sofern man gedenkt, im Alter Redner zu werden. Doch er schien zu glauben, es reiche, sich einer großen Aufgabe zu stellen, um diese Aufgabe bravourös meistern zu können.

Er ging also nach vorne und nahm den Text einer Rede zur Hand, die er auswendig gelernt hatte, während er auf der Weide hin- und herschritt und dabei das Vieh erschreckte.

Er stützte sich schwer auf seinen linken Absatz, zog die Schultern zurück, führte den rechten Fuß leicht nach vorne, öffnete sein Redeorgan und setzte seinen rechten Fuß in einen 45 Grad Winkel.

Er verschluckte sich, schluckte seinen Speichel, umrundete den Tisch, um einen Blick auf den Text zu werfen.

„Wir sind sehr glücklich, diese Soldaten in ihrem Geburtsort zu empfangen, die gekämpft haben und ihr Blut verloren...und die nun in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt sind.

Wir beglückwünschen uns ganz besonders, diesen jungen Helden bei uns zu haben (damit war ich gemeint), diesen jungen Helden, den wir in unserer Vorstellung (Freunde erinnern sich, dass er dieses Wort verwendete, und hätte er nicht gesagt „in unserer Vorstellung“,  wäre ich niemals so selbstgefällig gewesen, ihn überhaupt zu zitieren), dieser junge Held, den wir in unserer Vorstellung kommandieren sahen…wir sahen ihn kommandieren…kommandieren.

Mit seinem in der Sonne funkelnden Schwert, als er seinen Truppen entgegenrief: Voran, Männer!“

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Einige von ihnen waren sehr weit gelaufen, um irgendwo ein Schwein oder ein Hühnchen aufzutreiben. Einige ihrer Kameraden waren in den Bergen von Tennessee im Granatenhagel gestorben, und doch wurden sie in der Rede des guten Mannes nicht erwähnt. Sicher, er hatte auf sie hingewiesen, aber nur ganz nebenbei. Der Held des Tages war dieser Junge. Schuldete die Nation ihm irgendetwas? Nein, weder früher, noch jetzt. Warum war er der Held? Ganz einfach, weil dieser Mann den sehr verbreiteten menschlichen Fehler begangen hatte, zu denken, dass dieser Junge Größe habe, weil er Offizier war und die anderen nur einfache Soldaten.

*

Ja, damals lernte ich eine Lektion, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Wahre Größe besteht nicht darin, irgendeine zukünftige Aufgabe auf sich zu nehmen, sondern darin, in aller Bescheidenheit und mit wenigen Mitteln Großes oder gar Unglaubliches zu vollbringen. Um wirkliche Größe zu erlangen, muss man hier und jetzt, in Philadelphia, Größe beweisen. Derjenige der dieser Stadt die besseren Straßen, die besseren Gehsteige, die besseren Schulen und mehr Hochschulen bescheren kann, mehr Glück, mehr Zivilisation und mehr Gottesnähe, der wird ein großer Mann sein, wo auch immer.

Falls wir uns heute Abend zum letzten Male sehen, möchte ich Sie bitten, Folgendes stets in Erinnerung zu behalten: Wenn Sie irgendeine Größe erlangen wollen, dann beginnen Sie bitte jetzt damit und zwar dort, wo Sie sind, und seien Sie Sie selbst. Wer seiner Stadt etwas Gutes tut, wer ein guter Bürger sein kann, wenn er hier lebt, wer die besseren Häuser bauen kann, wird ein Segen für die Bevölkerung sein, ganz gleich ob er in einer Werkstatt tätig ist, hinter der Theke steht oder zu Hause arbeitet. Ganz gleich, wie sein Leben aussieht, er kann wirkliche Größe erlangen, doch die muss er zunächst in seiner eigenen Stadt beweisen.

 

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